Expertenblog Demenz, Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Die Rolle der Architektur in der Aktivierung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Autorin: Kathrin Büter

 

Bei der Behandlung von Demenzen spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wesentliche Rolle. Die Aktivierung von Menschen mit Demenz steht dabei im Mittelpunkt. Durch die kontinuierliche Förderung bewegungs- und beschäftigungstherapeutischer Aktivitäten sollen Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange erhalten und Betroffenen ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

In Akutkrankenhäusern sind besondere Strategien gefordert

Insbesondere in Akutkrankenhäusern ist die Entwicklung von Strategien zur Aktivierung von Patienten mit Demenz erforderlich. Die Inaktivität dieser Patientengruppe während eines Krankenhausaufenthaltes kann schwerwiegende Folgen haben. So werden viele Patienten mit Demenz mit verminderten Fähigkeiten in den Aktivitäten des alltäglichen Lebens und des kognitiven Status aus dem Krankenhaus entlassen. Ein Übergang ins Pflegeheim wird dann oftmals unvermeidlich.

Bedeutung der räumlichen Umgebung

Forschungsergebnisse aus der stationären Altenpflege zeigen bereits, dass die räumliche Umgebung einen maßgeblichen Einfluss auf die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz hat und zur Aktivität, Kommunikation und Interaktion anregen kann. Doch wie müssen Krankenhäuser gestaltet sein, um zu einer Mobilisierung und Aktivierung von Patienten mit Demenz beizutragen? Diese Fragestellung wird derzeit von einer Forschergruppe des Lehrstuhls für Sozial- und Gesundheitsbauten an der Technischen Universität Dresden untersucht.

Bauliche Umgestaltung im Diakonissenkrankenhaus Dresden

Im Rahmen eines, von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts, wurden im Diakonissenkrankenhaus Dresden zu Beginn des Jahres verschiedene bauliche und gestalterische Maßnahmen zur Aktivierung von Patienten mit Demenz entwickelt und umgesetzt.

Auf einer Station für innere Medizin, die einen hohen Anteil an älteren Patienten mit Demenz aufweist, wurde zusätzlich zum regulären Patientenaufenthaltsraum ein weiterer Aufenthaltsbereich geschaffen. Dieser kann von den Patienten zum Sitzen, Warten, Beobachten, Lesen, Musikhören und Kommunizieren genutzt werden.

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden - www.g-plus.org – Foto: Katrin Büter

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden – www.g-plus.org – Foto: Kathrin Büter

Zentrale Lage stärkt Interaktionsmöglichkeiten zwischen Pflegekräften und Pflegenden

Die zentrale Lage auf der Station und die Nähe zum Dienstzimmer waren dabei besonders wichtig, um Interaktionsmöglichkeiten zwischen Pflegekräften und Patienten zu stärken. Auch Orientierungshilfen wurden eingesetzt um die selbstständige und zielgerichtete Mobilität der Patienten zu unterstützen.

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden - www.g-plus.org – Foto: Katrin Büter

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden – www.g-plus.org – Foto: Kathrin Büter

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden - www.g-plus.org – Foto: Katrin Büter

Aufenthaltsbereich im Diakonissenkrankenhaus Dresden – www.g-plus.org – Foto: Kathrin Büter

Ergebnisse zeigen positive Auswirkungen der baulichen Veränderung

Das Projekt befindet sich derzeit in der Auswertungsphase. Erste Ergebnisse zeigen bereits vielfältige positive Auswirkungen der umgesetzten Maßnahmen und eine rege Nutzung des neuen Aufenthaltsbereichs. Die Ergebnisse sollen in Handlungsempfehlungen, die bei der Umgestaltung bestehender oder beim Neubau zukünftiger Krankenhäuser zu berücksichtigen sind, übertragen werden.

Dieser Beitrag wurde von Kathrin Büter, M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitsbauten, TU Dresden verfasst.

Kontakt: kathrin.bueter[at]tu-dresden.de