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Kurzbericht: Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz in der Schweiz

Autorin: Doris Perko

 

Der demographische Wandel und die deutlich erhöhte Lebenserwartung der Menschen in Deutschland verändern auch die Erwartungshaltung an die Pflegefachkräfte. Auch der rasche medizinische Fortschritt und der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen bringen neue Herausforderungen mit sich, die eine vielfältige und vertiefte Fachkompetenz erfordern.

In der Klinik ist die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen professionellen Fachbereichen sowie die Orientierung an Erkenntnissen aus der Pflegeforschung eine wichtige Voraussetzung, um die Patientenversorgung zu verbessern. Die Verbindung zwischen klinischer Praxis und pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine zukunftsweisende Entwicklung für eine optimale Patientenversorgung, vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörige.

Das wollte ich kennenlernen

Im Februar 2016 habe ich im Rahmen des Programms Care for Chronic Condition eine zweiwöchige Hospitation in Zürich durchführen können. Der Fokus der Hospitation lag auf der Versorgung chronisch erkrankter Herzpatienten und der Frage, wie sich die Pflege durch akademisierte Pflegefachkräfte für die Patienten verändert. Ich wollte erfahren, welche Möglichkeiten die Kollegen in der Schweiz entwickelt haben und wie diese umgesetzt werden, um die Versorgung von chronisch erkrankten Herzpatienten zu verbessern.

In meiner Heimateinrichtung gibt es bereits eine sehr gut funktionierende Herzinsuffizienz-Beratung für den ambulanten Bereich. Es besteht aber auch ein Bedarf an Beratung und Schulung der Patienten bei Hyper- bzw. Hypotonus und nach Schrittmacherimplantationen, speziell nach Implantation eines ICD-Schrittmachers. Meine Erwartungen lagen ganz klar in der Hoffnung, hierzu neue Erkenntnisse, Ideen und Impulse zu erlangen.

Der Patient im Mittelpunkt

In der ersten Woche konnte ich Pflegefachpersonen auf zwei verschiedenen herz-chirurgischen Stationen mit und ohne akademische Ausbildung im Stationsalltag begleiten. Mir fiel die große Empathie auf, die den Patienten dort entgegen gebracht wurde. Was der Patient wollte und brauchte stand ganz klar im Vordergrund der pflegerischen Handelns. Die Pflegenden legten ihren Fokus auf die Beratung und die Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die Pflegenden arbeiteten eng mit den anderen Berufsgruppen zusammen und waren gleichwertige Partner im Gesundheitsprozess. Dies zeigte sich beispielsweise bei den Visiten, die nicht ohne das Pflegepersonal stattfanden. Darüber hinaus gab es interdisziplinäre Visiten. Bei diesen wurde diskutiert und jede der beteiligten Fachdisziplin ließ ihre jeweilige Fachexpertise einfließen.

Evidenzbasierte Pflege

In der zweiten Woche hospitierte ich in der Abteilung Pflegeentwicklung. Hier arbeiteten Pflegefachkräfte auf Masterniveau. Sie begleiteten die Pflegenden in der Praxis und machten wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis nutzbar. Bei komplexen Pflegesituationen wurden sie zu Rate gezogen und arbeiteten mit. Sie standen Kollegen, Patienten und Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite.

Impulse

Die Hospitation in der Schweiz übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Ich konnte so viele Erfahrungen und positive Eindrücke sammeln, dass ich voll Tatkraft und Motivation in meinen alten Arbeitsbereich zurückkehre.

Aufbau in Deutschland

In der neu implementierten Fachverantwortung der Kardiologie meines Arbeitsbereiches bin ich mitverantwortlich für die pflegerische Qualität der Patientenversorgung. Da wir noch im Aufbau sind, bieten sich zahlreiche gestalterische Möglichkeiten.

Die Erkenntnisse aus der Schweiz helfen uns hier ganz konkret bei der Konzeption und Umsetzung. Auf deren Grundlage können wir Nah- und Fernziele formulieren und festlegen. Auch die neugeknüpften Kontakte in die Schweiz werden hier sehr hilfreich sein. Die Kollegen haben mir ihre Unterstützung zugesagt und sind schon gespannt auf Ergebnisse. Die Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Disziplinen unserer Abteilung sind mit mir in engem Kontakt und an Weiterentwicklungen und Neuerungen für unsere chronisch erkrankten Patienten interessiert.

Während und nach der Implementierung sind Vorträge und Erfahrungsberichte im ganzen Klinikum angedacht. Ein Fernziel wäre die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch mit anderen Klinken deutschlandweit.

Abschließend…

Die Rahmenbedingungen für die pflegerische Versorgung von Patienten, speziell von chronisch Kranken, wandeln sich. Der medizinische Fortschritt und der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen stellt die Pflege vor immer neue Herausforderungen. Dabei ist es unerlässlich die Bedürfnisse des Patienten im Fokus zu behalten. Es dürfen nicht nur ökonomische Maßstäbe in den Mittelpunkt gerückt werden, sondern auch und vor allem menschliche. Nur so kann der körperliche und physische Stress für die Patienten und letztlich auch für die Pflegekräfte gesenkt werden.

Die Kollegen in der Schweiz sind uns hier einen sehr großen Schritt voraus. Wir können von deren Erfahrungen profitieren und ihre Erkenntnisse nutzen. Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit hatte, mich mit den Schweizern auszutauschen und von ihrem Wissen zu profitieren. Für mich ergibt sich in meinem Arbeitsbereich die Möglichkeit einen Prozess aktiv mitzugestalten und meine Erfahrungen einzubringen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Autorin: Doris Perko, Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Kardiologie des Klinikums Nürnberg Süd

Kontakt: doris.perko[at]klinikum-nuernberg.de