Alle Artikel in: Kurzberichte

Kurzbericht: Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz in der Schweiz

Autorin: Doris Perko   Der demographische Wandel und die deutlich erhöhte Lebenserwartung der Menschen in Deutschland verändern auch die Erwartungshaltung an die Pflegefachkräfte. Auch der rasche medizinische Fortschritt und der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen bringen neue Herausforderungen mit sich, die eine vielfältige und vertiefte Fachkompetenz erfordern. In der Klinik ist die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen professionellen Fachbereichen sowie die Orientierung an Erkenntnissen aus der Pflegeforschung eine wichtige Voraussetzung, um die Patientenversorgung zu verbessern. Die Verbindung zwischen klinischer Praxis und pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine zukunftsweisende Entwicklung für eine optimale Patientenversorgung, vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörige. Das wollte ich kennenlernen Im Februar 2016 habe ich im Rahmen des Programms Care for Chronic Condition eine zweiwöchige Hospitation in Zürich durchführen können. Der Fokus der Hospitation lag auf der Versorgung chronisch erkrankter Herzpatienten und der Frage, wie sich die Pflege durch akademisierte Pflegefachkräfte für die Patienten verändert. Ich wollte erfahren, welche Möglichkeiten die Kollegen in der Schweiz entwickelt haben und wie diese umgesetzt werden, um die Versorgung von chronisch erkrankten Herzpatienten zu …

Kurzbericht: Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung in Kanada

Autoren: Dr. Antje Erler und Dr. Lisa Ulrich   Der zunehmende Mangel an (haus)ärztlichem und pflegerischem Nachwuchs bei einem gleichzeitig steigenden Versorgungsbedarf von älteren multimorbiden Patienten erfordert insbesondere in ländlichen Regionen neue Versorgungsmodelle und Behandlungskonzepte, wie es bspw. der Sachverständigenrat Gesundheit (SVR) in seinem Gutachten von 2014 mit dem umfassenden Modell der lokalen Gesundheitszentren zur Primär- und Langzeitversorgung vorschlägt. Charakteristika dieser Zentren sind, dass Patienten und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und die Behandlung um den Patienten herum durch ein multiprofessionelles Team geplant und erbracht wird. Vorbilder für das SVR-Modell sind u. a. die Family Health Teams (FHT) und Community Health Centres (CHC), die in Kanada, den USA und den skandinavischen Ländern seit längerem etabliert sind. Ziel Das Ziel der Teamhospitation im Rahmen des Programms „Care for Chronic Condition“ vom 09.07.2016 – 17.07.2016 zu vier FHT und einem CHC in Ontario (Kanada) war zu erfahren, wie die Patientenversorgung im jeweiligen Modell anhand konkreter Praxisbeispiele funktioniert, welche unterschiedlichen Gesundheitsprofessionen an der Versorgung beteiligt sind, welche Systemvorgaben (z. B. Vergütung / Finanzierung) dafür benötigt werden und wie …

Kurzbericht: Versorgung von querschnittgelähmten Patienten – interdisziplinäre Hospitation in der Schweiz (Perspektive der Ergo- und Physiotherapie)

Autoren: Viola Meer und Dominik Mayer   Im April 2016 konnten wir im Rahmen des Programms Care for Chronic Condition eine interdisziplinäre Teamhospitation im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) Nottwil durchführen, an der neben dem ärztlichen Sektionsleiter des Querschnittgelähmtenzentrums unserer Einrichtung, RKU Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm, auch zwei Vertreter der Pflege und je ein Vertreter aus Ergo- und Physiotherapie teilnahmen. Der folgende Kurzbericht nimmt die Perspektive der Physio- und Ergotherapie in den Blick. Ausgangssituation Die therapeutische Versorgung ist für querschnittgelähmte Patienten unabkömmlich. Die Physio- und Ergotherapie stellt einen wichtigen Baustein in der Versorgung von querschnittgelähmten Patienten dar. Die Bezugspflege ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Verbindung zwischen Patient, Therapeut, und Pflege So können gemeinsam Ziele definiert werden und ihre Umsetzung wird gefördert. Fragestellung Das zentrale Ziel der Hospitation war, die Strukturen und den Ablauf einer anderen Akutklinik mit dem Schwerpunkt auf der Versorgung von querschnittgelähmten Patienten kennen zu lernen und die Ergebnisse bei uns in der Klinik einfließen zu lassen. Ebenso war der interdisziplinäre Austausch eine zentrale Fragestellung. Vor Ort Der erste Hospitationstag war ein Einführungstag …

Kurzbericht: Versorgung von querschnittgelähmten Patienten – interdisziplinäre Hospitation in der Schweiz (Perspektive der Pflege)

Autoren: Melanie Heckel und Simon Fink   Im April 2016 konnten wir im Rahmen des Programms Care for Chronic Condition eine interdisziplinäre Teamhospitation am Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil durchführen, an der neben dem ärztlichen Sektionsleiter des Querschnittsgelähmtenzentrums unserer Einrichtung, der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm, auch zwei Vertreter der Pflege und je ein Vertreter aus Ergo- und Physiotherapie teilnahmen. Der folgende Kurzbericht nimmt die Perspektive der Pflegenden in den Blick. Ausgangssituation Querschnittsgelähmte Patienten benötigen hochqualifizierte Pflege, Therapeuten und Ärzte, um von ihrer Rehabilitation optimal zu profitieren und soweit wie möglich selbstständig werden zu können. Um Komplikationen der Querschnittslähmung zu vermeiden, bedarf es einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit und eines ständigen Austauschs zwischen dem Team und dem Patienten. Die Aufgaben der Pflege sind hier u. a. die neurogene Blasen- und Mastdarmlähmung, das Wundma-nagement, die Beatmung, die Kinästhetik und die Förderung der Selbstständigkeit. Die Bezugspflege ein wichtiger Baustein der Behandlung. Sie stellt den primären Ansprechpartner für den Patienten (von Anfang der Rehabilitation bis zur Entlassung nach Hause) sowie für Therapeuten und Ärzte dar, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Auch Kinästhetik – …

Kurzbericht: EuroHeartCare 2016 in Griechenland

Autorin: Gabriele Meyer   Vom 15. – 16. April 2016 hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen des Programms Care for Chronic Condition am Kongress EuroHeartCare in Athen teilzunehmen. Dabei handelt es sich um den jährlichen Kongress der kardiovaskulären Pflegeexperten und verwandten Professionen. Insgesamt 420 Teilnehmende aus 40 Ländern haben an der Veranstaltung teilgenommen – aus Deutschland haben zwei Pflegende teilgenommen, eine davon ich. Schwerpunkte Der zweitägige Kongress beinhaltete folgende Schwerpunkte: Rolle der Advance Practice Nurses in der Versorgung der Herzpatienten Palliative Versorgung bei Herzinsuffizienz Psychosomatische Versorgung von Herzpatienten (Defi Träger) Zahnstatus und Herzerkrankungen Mangelversorgung bei jungen Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern Vorreiterrolle Vorbeugung und Risiko Minimierung Die Kluft in der Versorgung und die Risiken bei unterschiedlichen Kulturen (Flüchtlinge, Roma) Herzinsuffizienz: Versorgung nach der Krankenhaus-Entlassung? Die Versorgung von herzkranken Patienten fokussiert sich in Deutschland meist auf die Akutversorgung im Krankenhaus und die Nachsorge beim niedergelassenen Kardiologen. Für mich als Pflegeexpertin für Menschen mit Herzinsuffizienz ist es daher wichtig und erkenntnisreich, die pflegerische Versorgung dieser Patienten in anderen Ländern kennenzulernen. Hierfür ist der …

Kurzbericht: Heart Failure Management in Großbritannien

Autorin: Anja Knoppe   Herzinsuffizienz ist eine Herausforderung für unser Gesundheitssystem und stellt bereits heute die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisung dar. Die Erkrankung, der meist eine koronare Herzkrankheit oder ein hoher Blutdruck zu Grunde liegt, betrifft in Deutschland etwa jeden Zehnten über 70 Jahren. In älter werdenden Gesellschaften wird sich diese Situation noch zuspitzen, da sind sich Experten aus Politik und Wissenschaft einig. Patienten profitieren von spezialisiertem Personal Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz haben nachgewiesenermaßen einen hohen Bedarf an Maßnahmen zur Entwicklung von Selbstmanagementfähigkeiten und dem Erlernen von Kopingstrategien. Auch in Deutschland sollte dieser Bedarf – wie bereits in vielen angloamerikanischen und skandinavischen Ländern – von professionell Pflegenden gedeckt werden. Zahlreiche  klinische Studien haben gezeigt, dass Patienten zum Beispiel von einer engmaschigen telefonischen Betreuung durch dergestalt spezialisiertes Personal profitieren. Ziel sollte es sein, dieses Konzept auch über Forschungsstudien hinaus für die kassenfinanzierte Standardversorgung von Patienten mit Herzschwäche nutzbar zu machen. Als Pflegende am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg, einem integrierten Forschungs-und Behandlungszentrum, habe ich Erfahrung auf dem Gebiet der Pflege von Patienten mit Herzinsuffizienz. Im Rahmen …

Kurzbericht: Heart Failure Management in der Schweiz

Autorin: Constanze Richter   Die chronische Herzinsuffizienz stellt eine große Herausforderung für die Gesundheitssysteme dar. Allein in Deutschland leben derzeit zwei bis drei Millionen Betroffene. Geschätzt wird, dass sogar jeder zehnte Deutsche über 70 Jahre an Herzschwäche leidet. Die Erkrankung ist noch nicht heilbar und fordert dadurch die Versorgungsleistung auf allen Ebenen. Hohe Rehospitalisierungsraten machen es notwendig, neue Maßnahmen zu entwickeln, in denen auch Patienten eingebunden sind und dadurch die Versorgung stützen. Hier angesprochene Selbstmanagementfähigkeiten und das Erlernen von Copingstrategien (Bewältigungsstrategien) haben sich bereits bei anderen chronischen Erkrankungen, wie bei Diabetes, vielfach bewährt. Herzschwächepatienten profitieren von intensiver telefonischer Beratung Am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) wurde gezeigt, dass auch Herzschwächepatienten von Schulungsmaßnahmen und intensiver telefonischer Betreuung nachhaltig profitieren. Das Zentrum hat das sogenannte HeartNetCare-HF™-Disease Management Programm (DMP) für Patienten mit chronischer Herzschwäche entwickelt und in einer groß angelegten klinischen Studie evaluiert (Angermann & Störk et al, Circulation Heart Failure 2012; 5:25-35). HeartNetCare-HF™ bewirkt bei den Patienten eine Besserung der subjektiven und objektiven Leistungsfähigkeit und Lebensqualität und reduziert dadurch die Mortalitätsrate um 40 Prozent und reduziert …

Kurzbericht: Oxford International Primary Care Research Leadership programme

Autor: Dr. Konrad Schmidt   Das „Nuffield Department of Primary Care Health Sciences“ der Universität Oxford ist mit ca. 200 Mitarbeitern das größte und international wohl bedeutenste allgemeinmedzinische Universitätsinstitut. Alle zwei Jahre startet hier eine Kohorte des „Oxford International Primary Care Research Leadership programme“: 7-10 allgemeinmedizinisch interessierte Forscher aus aller Welt können hier für eine Woche von hochkarätigen Persönlichkeiten lernen und sich dabei vielleicht zu einem lebenslangen Netzwerk zusammenschließen. Exklusive und thematisch vielfältige Vorträge Sechs Kollegen aus Großbritannien, der Slovakei und Australien wurden mit mir 2015 für die 10. Kohorte des Programmes ausgewählt. Uns erwartete ein dichter Zeitplan mit exklusiv besetzen Vorträgen und Workshops – unter anderem zum Aufbau von Forschungsnetzwerken, Führungsqualitäten, psychologischen Typologien oder dem Umgang mit Medien. Einen Höhepunkt der gesamten Veranstaltung stellte das Dinner mit Sir Muir Gray da, einer Eminenz des NHS und wohl einer der prominentesten Ärzte Großbritanniens. Raum für Austausch und Verstetigung Daneben ergab sich viel Raum für den gegenseitigen Austausch: Wir sind gespannt, welche zukünftigen Projekte sich hieraus wohl entwickeln! Die Folgetermine 2016 und 2017 bieten dazu die …

Kurzbericht: Einführung eines Programmes zur Verbesserung der Erkennung, Behandlung und langfristigen patientengeführten Eigensteuerung des arteriellen Hypertonus auf Grundlage des Canadian Hypertension Program (CHEP)

Autoren: Dr. med. Elke Lehmann, Dr. med. Karl Wilhelm   Ausgangssituation Die arterielle Hypertonie stellt in Industrieländern eine sehr häufige chronische Erkrankung dar und ist in den allgemeinmedizinischen Praxen einer der häufigsten Beratungsanlässe. Die Prävalenz in der Gesamtbevölkerung wird altersabhängig bis zu 50% angegeben. Die höchste Hypertonieprävalenz in Europa findet sich in Deutschland. Auch bei der Schlaganfall-Mortalitätstrate steht Deutschland mit an der Spitze Europas. Vor allem in Kombination mit anderen Risikofaktoren steigt die Mortalität bei Hypertoniepatienten weiter dramatisch an. Die Behandlung der Erkrankung wird derzeit vor allem durch Empfehlungen in Leitlinien vorgegeben. Deren Umsetzung ist jedoch im ambulanten Bereich überwiegend jedem einzelnen Behandler vorbehalten. Eine einheitliche langfristige Behandlungsempfehlung in einem größeren ambulanten Versorgungsgebiet ist bislang in Deutschland nicht üblich. Der Zielwert der Blutdruckeinstellung wird nur bei einem Bruchteil der Erkrankten nachgewiesenermaßen erreicht. Zwar werden die Patienten leitliniengerecht behandelt. Dennoch ist auch in unserem Patientenstamm die Zielwertvorstellung nur im üblichen Bereich erreichbar. Diese Tatsache führte dazu, dass in unseren Qualitätskonferenzen der Anspruch entstand, diese Situation zu verbessern. Ziel des Aufenthalts Die Behandlungsrichtlinien im MVZ Dachau Verbund …

Kurzbericht: 3rd European Health Literacy Conference in Brüssel

Autorin: Prof. Dr. Julia Seiderer-Nack   Im Rahmen meiner Förderung konnte ich im November 2015 an der 3rd European Health Literacy Conference in Brüssel teilnehmen. Schwerpunkt der Konferenz Thematischer Schwerpunkt dieser europäischen Konferenz war das Thema „Health Literacy in a Life Course“, welches sich mit der Förderung von Gesundheitskompetenz und Gesundheitsbildung im Lebensverlauf als Voraussetzung für eine aktive Teilhabe an der Gesundheitsversorgung sowie die Befähigung zur eigenständigen Bewältigung einer chronischen Erkrankung beschäftigt. In den letzten Jahren hat der Begriff der „Health Literacy“ (zu deutsch am besten mit Gesundheitskompetenz bzw. Gesundheitsbildung zu übersetzen) in den Gesundheitswissenschaften eine zunehmende Bedeutung erlangt und wird heute insbesondere bei Patienten mit chronischen Erkrankungen als Schlüsselkompetenz in der patientenorientierten Versorgung gesehen. Im Rahmen dieser Konferenz diskutierten Wissenschaftler, Gesundheitspolitiker und Mitglieder des europäischen Parlaments sowie nationaler Parlamente und Gesundheitsorganisatoren, Vertreter von Patientenorganisatoren sowie der Krankenkassen neue Wege und Möglichkeiten, die Gesundheitskompetenz von chronischen kranken und älteren Patienten evidenzbasiert zu verbessern und Health Literacy als Kernvoraussetzung für lebenslange Gesundheitsförderung auf nationaler und europäischer Ebene in Form von Handlungsempfehlungen für Politik und Gesundheitssysteme zu …