Autor: Sebastian Riebandt

Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus – Bei der Versorgung in Norwegen ziehen alle an einem Strang

Die Pflegewissenschaftlerin und Bloggerin Kati Borngräber berichtet über ihre persönlichen Erfahrungen und Highlights der Studienreise „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ nach Norwegen. Oslo – Stavanger – Bergen – Oslo: Als eine von 25 Teilnehmern hatte ich vom 29. Mai bis 2. Juni 2017 Gelegenheit, mir auf einer Reise durch Norwegen einen Eindruck von der Versorgung von Menschen mit Demenz zu machen. Übergeordnetes Thema der Reise war Demenz im Akutkrankenhaus – allerdings stellte sich bald heraus, dass dieses Phänomen kaum isoliert von der generellen Demenzversorgung in Norwegen betrachtet werden kann. Stattdessen lieferten die Vorträge der norwegischen Fachleute, die wir während unserer Reise hörten, ein umfassendes Bild demenzfreundlicher Strukturen im gesamten Land und in den Gemeinden. Diese fördern offensichtlich insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedenster Akteure im Gesundheitswesen. Im Folgenden fasse ich den Ablauf der Reise zusammen und stelle meine persönlichen Highlights und Erkenntnisse vor und lasse einige meiner Mitreisenden zu Wort kommen. Tag eins: Ankommen und Perspektivwechsel in Oslo Der erste Tag diente der allgemeinen Anreise. Ich flog zusammen mit acht weiteren Teilnehmern und einem der Reiseleiter, …

Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus – Beeindruckende multiprofessionelle Vernetzung in Norwegen

  Gudrun Roling nimmt aktuell an der von der  Robert Bosch Stiftung geförderten und vom Institut g-plus der Universität Witten/Herdecke koordinierten Studienreise Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus in Norwegen teil. Was sie bisher für Eindrücke gesammelt hat und welche Anregungen sie für ihre Arbeit  mitnimmt, berichtet Sie im Interview mit der Bloggerin Kati Borngräber. Zur Person: Gudrun Roling ist Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der internistischen Station des anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke. Zudem arbeitet die studierte Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Projekt der Universität Witten/Herdecke mit. Bei diesem geht es um die Ausbildung und interprofessionelle Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und Pflegenden im Rahmen des integrierten Begleitstudiums Anthroposophische Medizin. Kati Borngräber: Frau Roling, warum sind Sie mit auf die Studienreise „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ nach Norwegen gefahren? Gudrun Roling: Ursprünglich hatte sich das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke für das Programm ,Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus‘ der Robert Bosch Stiftung beworben, um bauliche und therapeutischer Maßnahmen realisieren zu können. Doch das hat leider nicht geklappt. Jetzt wollen wir zumindest einige kleine Veränderungen anstoßen, um die Station demenzfreundlicher …

Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus – Start der Studienreise nach Norwegen

Internationale Studienreise: Vom 29. Mai bis 2. Juni 2017 erhalten 25 deutsche Fachleute einen Eindruck von der Versorgung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus in Norwegen. Die Exkursion wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung und koordiniert vom Institut g-plus der Universität Witten/Herdecke. Wie können Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus betreut werden? Welche Konzepte eignen sich, um herausforderndem Verhalten zu begegnen? Diese und weitere Fragen rund um das demenzsensible Krankenhaus beschäftigen aktuell immer mehr Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Denn Fakt ist: Infolge des demografischen Wandels steigt die Zahl der älteren Krankenhauspatienten mit der Nebendiagnose Demenz. Einige innovative Projekte zur besseren Versorgung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus wurden hierzulande in den vergangenen Jahren bereits initiiert. Doch zahlreiche Einrichtungen sind noch nicht ausreichend auf die neuen Herausforderungen vorbereitet. Warum eine Studienreise? Hier setzt die Studienreise „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ nach Norwegen an. Bei der von Fachexperten geführten Exkursion haben 20 Fachpersonen – darunter Ärzte, Psychologen und Pflegekräfte – Gelegenheit, ausgewählte Einrichtungen mit Vorbildcharakter zu besuchen und sich mit norwegischen Kollegen auszutauschen. Als Absolventin des Masterstudiengangs …

Drei Fragen an Nils Boettcher

Nils Boettcher, 41 Jahre, Coach, Supervisor und Trainer im Bereich Unternehmensgesundheit, Boettcher & Martin In welchem Land waren Sie und was haben Sie dort angesehen? Ich war mit Unterstützung des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Programms „Internationales Hospitationsprogramm Pflege und Gesundheit“  in Australien. In Sydney und Melbourne habe ich mir ambulante Physiotherapiepraxen angeschaut und viele interessante Gespräche mit Berufskollegen aus der Physiotherapie geführt. Mein Fokus war dabei der Umgang mit Menschen mit chronischen Beschwerden besonders im muskuloskelettalen Bereich. Ich wollte Coachingansätze, Methoden und Techniken kennenlernen, die einen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten haben und das meist so schwierige Umsetzen von Änderungen in den Alltag nachhaltig verbessern. Also kurz in Fachdeutsch: die Steigerung der Motivation und der Adhärenz. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Ich konnte meinen bisherigen Therapieansatz bei meinen Patienten erweitern. Die Erfahrungen aus meinem Aufenthalt flossen in meine akademische Lehraufträge und meine Seminare zur Verhaltensänderung und Steigerung der Adhärenz ein. Einige Jahre später bildeten diese Erkenntnisse auch die Basis für meine Angebote zur Unternehmensgesundheit, denn Betriebliches Gesundheitsmanagement funktioniert ohne Verhaltensänderung nicht. Was …

Drei Fragen an Stefan Dörle

Stefan Dörle, 43 Jahre, Inklusionsbeauftragter für die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben,  Bezirk Schwaben In welchem Land waren Sie und was haben Sie dort angesehen? Meine „Tour de Suisse“ führte mich 2014 mit Hilfe des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Programms „Internationales Hospitationsprogramm Pflege und Gesundheit“ durch verschiedene Phasen der neurologischen Rehabilitation für Menschen mit erworbener Hirnschädigung im Zielland Schweiz. Um einen Vergleich mit der in Deutschland etablierten Phaseneinteilung herstellen zu können, haben sich konkrete Etappen angeboten: von der Klinik Valens über ambulante Versorgungsmodelle und Case Management (Fragile Suisse, Zürich) bis hin zu differenzierten Betreuungsformen in Einrichtungen wie dem Wohnzentrum Frankental und dem Wohnhuus Meilihof in Ebertswil. Mein besonderes Interesse galt der Frage nach Schnittstellenproblematiken und der konkreten Ausgestaltung der Rehabilitationsphasen E und F. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Von größter Bedeutung im Nachgang der Hospitation war die Chance, beim damaligen Arbeitgeber eine Projektgruppe zu installieren. Vier dezentrale Einrichtungen nutzen dort Synergieeffekte wie Spezialisierung der Standorte, Personalentwicklung und Kooperationen im Leistungsspektrum der Versorgung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung (MEH). Über die interne …

Drei Fragen an Andreas Niepel

Andreas Niepel, 53 Jahre, Teamleiter Garten/Gartentherapie, Helios Kliniken Hattingen In welchen Land waren Sie und was haben Sie sich dort angesehen? Ich war seinerzeit, mit Unterstützung des durch die Robert Bosch Stiftung geförderten Programms „Internationales Studien- und Fortbildungsprogramm Demenz„, in den USA. Da mein Interesse der Gartentherapie und den naturgestützten Interventionen im Bereich der an Alzheimer erkrankten Menschen galt, konnte ich mehrere Einrichtungen im Großraum New York besichtigen, dort hospitieren und ganz unterschiedliche Angebote kennenlernen. Dieses betraf sowohl zwei ganz unterschiedliche Alterszentren, als auch eine große Rehaklinik, die entsprechende Angebote vorhielt. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Das, was ich dort beobachten und aktiv erleben konnte, hatte Auswirkungen in mehreren Bereichen. Einige Methoden konnte ich tatsächlich nahezu eins zu eins übernehmen. Beispielsweise die Idee mittels mobiler Wagen Pflanzen und Objekte auf die Wohnbereiche zu bringen und so einen Naturzugang im Inneren des Wohnbereichs herzustellen. Durch meine Lehrtätigkeiten ist diese Methode im Übrigen mittlerweile über meine eigene Berufspraxis hinaus etwas ganz Übliches in der Gartentherapie geworden. Hier gibt es noch viele weitere kleinere Details. Gebracht hat mir die …

Drei Fragen an Dr. Ursula Becker

Dr. med. Ursula Becker, 58 Jahre, freiberuflich tätig als Systemische Einzel- und Paartherapeutin, Dozentin Palliative Care bei Demenz, Marte Meo-Supervisorin und Organisationsberaterin In welchem Land waren Sie und was haben Sie sich dort angesehen? Ich war – mit dem durch die Robert Bosch Stiftung geförderten internationalen Hospitationsprogramm Pflege und Gesundheit – in Norwegen und habe mir in einem Pflegeheim in Bergen angesehen, wie Palliativversorgung im Pflegeheim funktionieren kann. Gleichzeitig hatte ich Gelegenheit, an einem Kurs „Palliative Care für alte Menschen“ unter Leitung des damaligen Chefarztes Prof. Stein Husebö teilzunehmen. Auf diese Weise konnte ich sowohl inhaltlich als auch organisatorisch erfahren, was Palliativversorgung im Pflegeheim kennzeichnet. Zusätzlich hatte ich im Rahmen meiner Hospitation die Gelegenheit, ein bis dahin in Deutschland zumindest im Bereich der Altenpflege weitgehend unbekanntes Konzept zum Umgang mit Menschen mit Demenz kennenzulernen, Marte Meo. Dies hat mich sehr inspiriert und meinen weiteren beruflichen Werdegang beeinflusst. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Der Aufenthalt fand zu einem Zeitpunkt statt, zu dem ich meine berufliche Tätigkeit neu überdacht habe. Er hat mich darin bestärkt, …

Drei Fragen an Dr. Claudia Zemlin

Dr. Claudia Zemlin, 58 Jahre, Leiterin des Fachbereichs demenzielle Erkrankungen, Vitanas GmbH & Co. KGaA, Berlin In welchem Land waren Sie und was haben Sie sich dort angesehen? Mein Zielort war Bradford, eine Großstadt in Großbritannien. Bradford liegt in der Grafschaft West Yorkshire. Dort interessierte mich ein Angebot der University of Bradford. In Bradford gab es die Möglichkeit, sein Wissen über Demenz in einem Studiengang (Dementia Studies) zu vertiefen. Besonders interessierte mich die Zugangsmöglichkeit zu Menschen mit Demenz über das Evaluationsverfahren Dementia Care Mapping (DCM). Bei meinem ersten Besuch in Bradford besuchte ich nochmals einen DCM-Grundkurs, um zu sehen, wie sich dieser Kurs vielleicht von denen, die in Deutschland angeboten werden, unterscheidet. Außerdem besuchte ich verschiedene Dozenten an der Universität, um eine inhaltliche Ausrichtung für ein postgraduales Studium zu finden. Letztendlich habe ich mich für die Aufnahme eines Fernstudiums entschieden, das im Programm „Internationales Studien- und Fortbildungsprogramm Demenz“ von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde. Die Kontakte während des Studiums liefen über E-Mails und Telefonate. Erst bei der Übergabe des Diploms im Jahr 2011 fuhr ich nochmals nach Bradford. Dort hatte …

Drei Fragen an Martina Schlüter-Cruse

Martina Schlüter-Cruse, 41 Jahre, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Projekt “Familienorientierte geburtshilfliche Versorgung”, Hochschule Osnabrück in Kooperation mit der Universität Witten/Herdecke In welchem Land waren Sie und was haben Sie sich dort angesehen? Im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Internationalen Hospitationsprogramms Pflege und Gesundheit reiste ich vom 10. Januar 2013 bis zum 10. März 2013 an die Mc Auley School of Nursing and Midwifery am University College Cork, Irland, um Einblicke in den strukturellen und curricularen Aufbau hebammenspezifischer Studiengänge zu gewinnen. Das komplexer gewordene Anforderungsprofil an Hebammen stellt die Verantwortlichen von Hebammenausbildung und Hebammenstudium in Deutschland derzeit vor neue Herausforderungen. Ich erhielt Einblicke in berufsgruppenübergreifende Lernarrangements, begleitete Lehrveranstaltungen im Simulationskreißsaal und konnte durch Hospitationen in der kooperierenden Praxiseinrichtung, dem University Maternity Hospital Cork, die Vernetzung zwischen dem Lernort Universität und der Praxis erleben. Außerdem besuchte ich Hebammen in unterschiedlichen geburtshilflichen Versorgungseinrichtungen. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Mein berufliches Netzwerk hat sich um wertvolle, internationale Kontakte erweitert, die bis heute bestehen. Durch den „Blick über den Tellerrand“ habe ich bedeutende …

Drei Fragen an Horst Krumbach

Horst Krumbach, 52 Jahre, Vorstand der Generationsbrücke Deutschland und des Trägers, der Katholischen Stiftung Marienheim Aachen-Brand In welchem Land waren Sie und was haben Sie sich dort angesehen? Im November 2007 war ich für sechs Wochen mit Hilfe des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Programms „Internationales Hospitationsprogramm Pflege und Gesundheit“ in Denver/Colorado in den USA als Gast bei der Nonprofit-Organisation „Bessie’s Hope“ (seinerzeit „Rainbow Bridge“). In dieser Zeit hatte ich nicht nur Gelegenheit, deren intergeneratives Begegnungskonzept sehr intensiv kennenzulernen, sondern auch die praktische Umsetzung in 16 verschiedenen Altenpflegeheimen zu erleben und mich daran aktiv zu beteiligen. Als langjähriger Pflegeheimleiter bot sich mir darüber hinaus im selben Zuge ein guter Einblick in die Versorgungsstruktur pflegebedürftiger alter Menschen in den USA sowie viele gute Begegnungen mit amerikanischen Leitern und Betreibern von Altenpflegeeinrichtungen. Was hat Ihnen der Aufenthalt in beruflicher Hinsicht gebracht? Auf Basis der während der Hospitation gewonnenen Erkenntnisse habe ich 2009 zunächst in unserem eigenen Pflegeheim die „Generationsbrücke Aachen“ gegründet. 2012 ist daraus die „Generationsbrücke Deutschland“ entstanden. Wir sind heute bundesweit das erste generationenverbindende Sozialunternehmen …